„Singen hat eine heilsame Wirkung“

Das Krankenhaus Maria Hilf bietet für Patienten der Abteilung für Akutgeriatrie und Frührehabilitation einmal wöchentlich eine Singstunde an

Als Svenja Brenzel rheinisches Liedgut anstimmt, hält es die Patientin nicht mehr auf dem Stuhl, sie singt und tanzt zu den Melodien.

03.07.2017

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Stimmung im Aufenthaltsraum der Abteilung für Akutgeriatrie und Frührehabilitation ist großartig. Patienten, Angehörige, Pflegekräfte und Ärzte haben sich mit der Musikgeragogin Svenja Brenzel zum Singen getroffen. Sie stimmt das Lied Singen ist Medizin an. Die eingängige Melodie spielt sie dazu auf einem Keyboard und motiviert damit alle zum Mitsingen. Einigen Patienten hat sie zuvor Rasseln gegeben, die sie im Takt bewegen. „Unseren Patienten tut das Singen sehr gut“, sagt Dr. Thomas Lepping. Ende letzten Jahres hatte sich Svenja Brenzel bei dem Chefarzt der Abteilung für Akutgeriatrie und Frührehabilitation vorgestellt und angeboten, einmal wöchentlich ins Haus zu kommen, um mit den Patienten zu singen. „Ich fand die Idee super, denn ich weiß, dass gerade ältere Patienten vom Singen sehr profitieren“, so Lepping. Und so konnte er den Förderverein und das Direktorium des Krankenhauses Maria Hilf dafür gewinnen, sich an der Finanzierung der Singstunden zu beteiligen. Darüber hinaus erhielt das Haus vom Netzwerk Singende Krankenhäuser eine Anschubfinanzierung.

Seit Januar kommt Svenja Brenzel regelmäßig donnerstags ins Haus. Die Lieder, die sie auswählt, sind den meisten Teilnehmern bekannt. Es sind alte Volks- und Wanderlieder sowie Schlager aus den 50iger Jahren, deren Texte die Patienten oft auswendig kennen. Für die, die sich nicht an alle Strophen erinnern, verteilt Svenja Brenzel die Liedtexte, gedruckt in extra großen Lettern, „damit die Teilnehmer sie auch ohne Brille lesen können“, sagt sie. Sehr beliebt ist bei den Patienten das rheinische Liedgut. „Bei den Trinkliedern singen und schunkeln sie ganz begeistert mit“, so ihre Erfahrung

 

Schon während der Singstunde lässt sich beobachten, dass die Patienten lebhafter werden und sich zunehmend beteiligen. „Vor allem Patienten, die dementiell erkrankt oder die nach einer Operation in einen Verwirrtheitszustand geraten sind, zeigen positive Veränderungen durch Singen“, sagt Susanne Weiß. Sie werden ruhiger, ihr Bewegungsdrang nimmt deutlich ab und sie schlafen nachts besser. „Wir haben festgestellt, dass sie in den Nächten danach weniger Schlafmedikamente benötigen“, so die pflegerische Leiterin der Station. Aber auch anderen Patienten geht es nach dem Singen besser. So zum Beispiel denen, die einen Schlaganfall erlitten haben. „Ich habe schon mehrere Male gesehen, dass ein Patient, der nach einem Schlaganfall kaum mehr sprechen konnte, Lieder mitgesungen hat“, so Dr. Lepping. „Das trägt zur Genesung bei. Singen hat eine heilsame Wirkung.“

Die positiven Rückmeldungen hören die Pflegekräfte und Ärzte auch von den Angehörigen der Patienten. „Eine Ehefrau bedankte sich bei uns, denn sie hatte ihren Mann schon lange nicht mehr so wach und gelöst erlebt wie beim Singen und in den Stunden danach“, erinnert sich Susanne Weiß. Es ist eine Möglichkeit für sie eine schöne gemeinsame Stunde zu erleben, „deshalb laden wir die Angehörigen gerne auch ein, den Patienten zum Singen zu begleiten“, sagt sie.

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